Wie verlaufen bipolare Störungen?

Da es sich bei bipolaren Störungen um kein einheitliches Krankheitsbild handelt, kann die Er­krankung individuell durchaus sehr verschieden verlaufen. Grundsätzlich gilt, dass sie in Pha­sen oder, wie die Fachleute sagen, in manischen oder depressiven Episoden verläuft. Die Dau­er der Krankheitsepisoden kann zwischen einigen Tagen, mehreren Monaten und einigen Jah­ren variieren. Im Durchschnitt dauert eine Krankheitsepisode bei unbehandelten Patienten zwischen vier und zwölf Monaten. Dabei können manische und depressive Episoden einzeln auftreten oder auch ineinander übergehen. Ein Teil der Patienten bekommt mehr manische, an­dere mehr depressive Episoden. Auch ein Wechseln von manischer zu depressiver Episode in­nerhalb einer Krankheitsepisode ist möglich. 

Zwischen den einzelnen Krankheitsepisoden können Intervalle von mehreren Monaten oder Jahren liegen, in denen der Patient völlig beschwerdefrei ist bzw. über eine stabile Stimmungs­lage verfügt. In diesen Zeiten sind die Patienten meist voll leistungsfähig und in der Lage, den Anforderungen des täglichen Lebens zu genügen. Im Durchschnitt sind Patien­ten mit bipolaren Störungen zwischen den einzelnen Krankheitsepisoden zwei bis drei Jahre beschwerdefrei. Darüber hinaus gibt es auch eine individuell unterschiedliche Anzahl an Krankheitsepisoden. Manche Patienten haben im Laufe Ihres Lebens nur ein oder zwei Episo­den, während andere deutlich häufiger erkranken. Durchschnittlich erleiden Menschen mit bi­polaren Störungen etwa vier Krankheitsepisoden innerhalb der ersten zehn Erkrankungsjahre. Entsprechend der Art der Krankheitsepisoden und der Ausprägung werden die Bipolaren Stö­rungen nach folgendem Schema unterteilt: 

Bipolar-I-Störung 

Von einer Bipolar-I-Störung spricht man, wenn die Betroffenen mindestens eine über 14 Tage andauernde manische Episode und mindestens eine depressive Episode hatten. 

Bipolar-II-Störung 

Von einer Bipolar-II-Störung spricht man, wenn die Betroffenen mindestens eine über 14 Tage andauernde depressive Episode und mindestens eine hypomane (leichtere Form der Manie) Episode hatten. 

Zyklothyme Störung 

Von einer Zyklothymen Störung spricht man, wenn die Betroffenen über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren ständig leichte manische und depressive Stimmungsschwankungen haben, wobei die einzelnen Episoden nicht alle Kriterien einer Manie oder Depression erfül­len. 

Obwohl die aufgeführte Einteilung auf den ersten Blick verwirrend erscheinen mag, so hat sie durchaus Bedeutung für die Behandlungsstrategie und die Wahl der entsprechenden Medika­mente. Während Patienten mit Bipolar-I- und –II- Störungen in der Regel medikamentös be­handelt werden, hängt es bei Patienten mit einer Zyklothymen Störung vom persönlichen Lei­densdruck ab, ob eine entsprechende Therapie eingeleitet wird. 

Rapid Cycling, Ultra Rapid Cycling, Ultradian Cycling 

Werden mehr als vier manische, hypomanische und/oder depressive Krankheitsepisoden in 12 Monaten erlebt, spricht man von „Rapid Cycling". Von "Ultra Rapid Cycling" spricht man, wenn der Phasenwechsel innerhalb von Tagen stattfindet. Wechseln die Phasen innerhalb von Stunden, so spricht man von "Ultradian Cycling". Rapid Cycling ist eine besonders komplizierte Form der Erkrankung, weil die klassischen Medikamente durch den schnellen Wechsel der Episoden nicht ausreichend wirken können. Deshalb werden Betroffene, die unter dieser Form der bipolaren Erkrankung leiden, häufig in einer Klinik behandelt. Insgesamt weisen 15 bis 20 Prozent der bipolaren Erkrankungen ein Rapid Cycling auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. 

Quellen: DGBS, medizinfo.de