Welche Symptome gibt es bei bipolaren Störungen?

Bei einer bipolaren Störung schwankt die Stimmung des Erkrankten zwischen den Phasen der Hochstimmung und der Niedergeschlagenheit. Dazwischen können immer wieder Phasen ei­ner ausgeglichenen Stimmung liegen. Im klassischen Verlauf wechseln die Betroffenen wäh­rend Ihrer Erkrankung immer wieder zwischen folgenden Zuständen: Der Manie, Hypomanie, Depression und einer als besonders einschränkend empfundenen Mischform zwischen Manie und Depression. 

Quelle: DGBS

 

Manische Episoden (Manie)

Eine manische Episode oder Manie ist gekennzeichnet durch ein intensives Hochgefühl, eine übersteigerte und häufig unbegründete gute Laune sowie erhöhte persönliche Leistungsfähig­keit. Die Betroffenen empfinden sich selbst als außergewöhnlich leistungsstark, kreativ und schöpferisch. Darüber hinaus haben sie nur ein sehr geringes Schlaf- und Erholungsbedürfnis. 

Maniker empfinden Schlaf als Zeitverschwendung und Unterbrechung ihres (oft ziellosen) Tatendrangs. Diese Stimmungslage kann allerdings schnell in einen Zustand der Euphorie übergehen, die unter anderem durch eine mangelnde Einschätzung der Realität gekennzeichnet ist. Dabei kann es auch vorkommen, dass die Betroffenen Stimmen hören (akustische Halluzinationen) oder Dinge sehen (optische Halluzinationen), die nicht real sind. Sie können sich auch verfolgt fühlen (paranoides Syndrom) oder, was häufiger ist, Größenideen haben, z.B. denken, sie seien Gott oder sie könnten fliegen. Man spricht dann von einer psychotischen Manie. Menschen, die sich gerade im Zustand der Manie befin­den, leugnen hartnäckig, dass sie in irgendeiner Art und Weise Probleme hätten und reagieren oft gereizt, wenn sie von anderen auf offensichtliche Schwierigkeiten hingewiesen werden. 

Aus diesem Grund ist es auch beinahe unmöglich, die Patienten davon zu überzeugen, dass sie krank sind. Deshalb müssen die Betroffenen in der akuten Krankheitsphase häufig gegen ihren Willen in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses behandelt wer­den. Eine manische Episode entwickelt sich nicht sofort, sondern sie entsteht langsam, meist über mehrere Tage hinweg. Die Betroffenen selbst empfinden den manischen Zustand oft als besonders angenehm, vor allem dann, wenn sich die manische Episode direkt an eine Phase der Depression anschließt. Viele beschreiben diesen Zustand sogar als eine beglückende Be­freiung. 

Nachfolgend sind die wichtigsten Symptome einer Manie nochmals aufgeführt: 

  • Intensives Hochgefühl 
  • Gesteigerte Leistungsfähigkeit und Kreativität 
  • Deutlich vermindertes Schlafbedürfnis 
  • Schnelles Umschlagen der Hochstimmung in Gereiztheit, vor allem wenn der Patient Widerspruch erfährt 
  • Distanzlosigkeit und Rededrang im Umgang mit anderen Menschen 
  • Gedankensprünge, die Betroffenen springen im Gespräch von einem Thema zum anderen. Außenstehende können dem Inhalt des Gespräches nicht mehr folgen 
  • Sprunghaftigkeit im Handeln: Es werden viele Dinge begonnen, aber nicht zu Ende geführt 

Es ist für Maniker praktisch unmöglich, auch nur kurze Zeit still zu sitzen und nichts zu tun. Eine Enthemmung in verschiedenen Bereichen, angefangen von sexuellen Handlungen bis hin zum exzessivem Kaufrausch, wobei dabei die finanziellen Möglichkeiten völlig überschritten werden. Gerade diese Enthemmungen stehen oft im krassen Widerspruch zu den eigentlichen moralischen Grundsätzen des Betroffenen und führen nach dem Abklingen der Manie zu Scham- und Schuldgefühlen. 

Quelle: DGBS

 

Hypomanische Episode (Hypomanie)

Eine Hypomanie ist eine deutlich abgeschwächte Form der Manie. Die Symptomatik ist zwar ähnlich, aber wesentlich schwächer ausgeprägt. Meist genügt in diesem Fall eine ambulante Therapie. Häufig können die Symptome einer Hypomanie mit einer Dosisanpassung der be­reits verordneten Medikamente verbessert werden. Im Gegensatz zur Manie sind die Betroffe­nen noch in der Lage, ihre persönliche Situation zu erfassen. Während einer Hypomanie fühlt sich der Betroffene wesentlich besser als üblich, er berichtet über eine gesteigerte Kreativität und Lebensfreude. Nun könnte man natürlich sagen, man solle dem Patienten sein Quäntchen Glück lassen. Dem stehen aber zwei große Gefahren gegenüber, die eine Therapie doch uner­lässlich machen: 

Bei einer hypomanischen Episode weiß man nie, wie sie endet. Im besten Fall handelt es sich nur um einen "kleinen Ausrutscher" und die Stimmungslage des Patienten stabilisiert sich nach kurzer Zeit wieder von selbst. Im ungünstigsten Fall ist die hypomanische Episode nur das Vorspiel für eine beginnende, ausgeprägte manische Krankheitsphase und dann gilt es möglichst schnell einzuschreiten. 

Mit jeder neu auftretenden Krankheitsepisode besteht die Gefahr, dass sich der Gesamtverlauf der Erkrankung verschlechtert und die Abstände zwischen den einzelnen Episoden immer kürzer werden. Daher ist es notwendig, jede neu beginnende Episode möglichst schon am Anfang abzufangen und die Stimmungslage des Patienten so schnell wie möglich zu stabilisieren. 

Quelle: DGBS

 

Depressive Episode (Depression)

Obwohl die meisten Menschen den Begriff Depression mit Traurigkeit gleichsetzen, ist eine Depression mehr als nur ein Gemütszustand. Eine Depression ist eine Krankheit, die sowohl das psychische Gleichgewicht, als auch das Denken, das Handeln und den Körper betrifft. Im Rahmen einer Depression ist die oft beschriebene Traurigkeit oder Niederge­schlagenheit nur ein Symptom.   

Charakteristisch für depressive Menschen ist nicht, dass sie traurig sind, sondern dass ihre Ge­fühlswelt erloschen ist. Auf der einen Seite sind sie nicht in der Lage, sich zu freuen, anderer­seits können sie aber bei einer traurigen Lebenssituation, wie dem Verlust eines Angehörigen, auch nicht weinen. Depressive Menschen wirken oft nicht nur wie versteinert, sie sind es auch, jedenfalls was ihr Gefühlserleben betrifft. Im Rahmen einer Bipolaren Störung leiden die Betroffenen während einer depressiven Episode gewöhnlich unter gedrückter Stimmung, Interessensverlust, Freud- und Ausdruckslosigkeit. Ihr Antrieb, etwas zu tun oder zu unterneh­men, ist deutlich reduziert. Konzentration und Aufmerksamkeit sind ebenso wie Selbstwertge­fühl und Selbstvertrauen stark vermindert. Während einer depressiven Episode ändert sich die gedrückte Stimmung von Tag zu Tag wenig. Die Patienten reagieren kaum auf sich verändern­de Lebenssituationen. Anlässe zu Trauer oder Freude werden ohne Emotionen erlebt. 

 

Im Folgenden sind nochmals die wichtigsten Symptome einer Depression aufgeführt: 

  • Gesteigertes Gefühl der Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit 
  • Interesselosigkeit an Din­gen, die dem Erkrankten normalerweise Freude bereiten würden 
  • Verlust sexuellen Interesses 
  • Neigung zum ständigen Grübeln, pessimistische Zukunftsperspektiven 
  • Durchschlafstörungen, früh morgendliches Erwachen oder gesteigertes Schlafbedürf­nis 
  • Appetitverlust oder gesteigerte Nahrungsaufnahme 
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen 
  • Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen 
  • Gefühle der Wertlosigkeit, Schuldgefühle, mangelndes Selbstbewusstsein 
  • Suizidgedanken 
  • Verschiedene körperliche Missempfindungen, wie Enge im Brustbereich, Durchfall oder Verstopfung (Vitalstörungen) 

Auch bei einer depressiven Episode können psychotische Symptome auftreten, die Betroffen können beispielsweise davon überzeugt sein, sterben zu müssen oder zu verarmen (Wahn). Auch optische oder akustische Halluzinationen sind möglich. Dies tritt jedoch nur bei schweren depressiven Episoden auf. 

Quelle: DGBS

 

Gemischte Episode (Mischzustand)

Während der gemischten Episode können manische und depressive Phasen entweder im kurzen Wechsel oder sogar gleichzeitig auftreten. Die Betroffenen sind in gleichem Maße erregt oder getrieben, fühlen sich mutlos und deprimiert. Gerade wegen der Kombination von gesteigerter Aktivität und Depression ist bei dieser Form das Selbsttötungsrisko besonders hoch. 

Quelle: DGBS